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Gewaltpräventionstraining an einer Grundschule in München
(22.11.2008)
 
Bericht: Christian Gembe
Bilder: Gabriella Gembe
 
Die Kampfkunstschule Budokan in München bietet als eine der wenigen derartigen Einrichtungen im Großraum München Karate bereits in einer Vorschule für Kinder ab 4 Jahren erfolgreich an und rekrutiert hieraus auch ihren Nachwuchs. Vom Vater eines unserer Kinder, der Lehrer an einer Münchner Grundschule ist, wurden wir gefragt, ob wir uns am Samstag, dem 22.11.2008, im Rahmen des "Gesundheitstages", der an den bayerischen Schulen stattfand, beteiligen wollten und kamen dieser Bitte gerne nach.
 
Die Grundschule an der Grafinger Straße 71 liegt im Münchner Stadtbezirk 14, Berg-am-Laim, inmitten einer Sozialbausiedlung und betreut rund 300 Schüler in 13 Klassen der Stufen 1-4. Die überwiegende Anzahl der Schulkinder hat einen sogn. Migrationshintergrund.
 
Im Themenkreis "Gewalt" boten wir in zwei Einheiten mit jeweils zwei Schulstunden ein Gewaltpräventionstraining an und hatten hier je eine Gruppe von 16 Kindern, jeweils von der Klasse 1 bis 4 und auch jeweils gemischt in Mädchen und Jungen, wobei (leider noch immer natürlich) die Anzahl der Jungen jeweils überwog.
 
Überrascht waren wir aufgrund der Erfahrungen im Sommer diesen Jahres aus einem Kurs gemeinsam mit der Volkshochschule im benachbarten Ottobrunn-Neubiberg (wir berichteten), daß die Zusammensetzung der Gruppen fast identisch war:
 
- Die relativ selbstbewussten, im Vergleich zu den anderen Kindern,
  größeren Jungs, die glaubten, sie könnten endlich ein paar neue und
  "griffige" Tricks erlernen
 
- Die relativ große Gruppe von Mädchen und Jungen, die abwartend
  neugierig teilnahmen
 
- Die kleinere Gruppe wirklich Betroffener, die sofort aufgrund ihrer
  physischen und /oder psychischen und sozialen Merkmale (mangelnder
  Blickkontakt, Kopf-, Schulter-, Fußhaltung, Absonderung aus der Gruppe
  usw.) auffielen.
 
Eine neue Erfahrung für uns war, daß rein körperliche "Besonderheiten" offensichtlich keine Rolle für ein Opferverhalten spielen. Die eher starken Charaktere haben es nur besser geschafft, mit diesen umzugehen (mehr oder weniger starke Ausprägung von Adipositas, Brille, Zahnfehlstellungen, Hautfarbe, usw.). Und, im Gegensatz zu unserer tagtäglichen Erfahrung aus dem (Berufs-)Leben, spielen Sprachbarrieren unter Kindern keine Rolle, alle kamen diesbezüglich miteinander aus.
 
Natürlich kann man in einer Schuldoppelstunde keine Wunder bewirken, aber bereits erste Rollenspiele wie z.B. "Haifisch und Boot" führen zu (zwangsläufiger) Solidarisation der Gruppe, unabhängig von vermeintlichen oder tatsächlichen Unterschieden und Diskriminierungen innerhalb derselben.
 
Rollenspiele, "Stop"-, "Nein"-, "Halt"-Sagen (-Lernen!) ergänzen die Gemeinschaftsspiele und fördern durch die gezielte Auswahl der jeweiligen Kinder durch den Lehrer/Trainer das einzelne Kind.
 
Karate? Nein, Karate gab es an diesem Samstag nicht zu sehen oder zu erlernen, aber das positive Beispiel des humanistischen Grundideals vom "mens sana in corpore sano" (Ein gesunder Geist in einem gesundem Körper) kann man wirksam vermitteln und dadurch Karate-Do demonstrieren. Und: Unabhängig von meinen körperlichen Gegebenheiten kann ich mit gesundem, besser: starkem Geist gegen körperlich Stärkere bestehen.
 
Einig waren wir uns in der Schlußbesprechung mit Lehrern und Schulleiterin, daß wir möglichst schnell und regelmäßig dieses Gewaltpräventionstraining in der Schule anbieten sollten, z.B. im Rahmen sogn. "Projekttage". Zuletzt, um die Schulleiterin zu zitieren, sei es schade, daß solch "tolle Programme" nur durch Stiftungen oder private Initiativen zustande kämen, da die Schule alleine dies finanziell nicht tragen könne.
 
Christian Gembe
Kampfkunstschule Budokan, Trad. Karate München
B-Trainer Gewaltprävention im DOSB
www.kampfkunstschule-budokan.de