Die Kampfkunstschule Budokan in München bietet als eine der
wenigen derartigen Einrichtungen im Großraum München Karate bereits in
einer Vorschule für Kinder ab 4 Jahren erfolgreich an und rekrutiert
hieraus auch ihren Nachwuchs. Vom Vater eines unserer Kinder, der
Lehrer an einer Münchner Grundschule ist, wurden wir gefragt, ob wir
uns am Samstag, dem 22.11.2008, im Rahmen des "Gesundheitstages", der
an den bayerischen Schulen stattfand, beteiligen wollten und kamen
dieser Bitte gerne nach.
Die Grundschule an der Grafinger Straße 71 liegt im Münchner
Stadtbezirk 14, Berg-am-Laim, inmitten einer Sozialbausiedlung und
betreut rund 300 Schüler in 13 Klassen der Stufen 1-4. Die
überwiegende Anzahl der Schulkinder hat einen sogn.
Migrationshintergrund.
Im Themenkreis "Gewalt" boten wir in zwei Einheiten mit jeweils zwei
Schulstunden ein Gewaltpräventionstraining an und hatten hier je eine
Gruppe von 16 Kindern, jeweils von der Klasse 1 bis 4 und auch jeweils
gemischt in Mädchen und Jungen, wobei (leider noch immer natürlich)
die Anzahl der Jungen jeweils überwog.
Überrascht waren wir aufgrund der Erfahrungen im Sommer diesen Jahres
aus einem Kurs gemeinsam mit der Volkshochschule im benachbarten
Ottobrunn-Neubiberg (wir berichteten), daß die Zusammensetzung der
Gruppen fast identisch war:
- Die relativ selbstbewussten, im Vergleich zu den anderen Kindern,
größeren Jungs, die glaubten, sie könnten endlich ein paar neue und
"griffige" Tricks erlernen
- Die relativ große Gruppe von Mädchen und Jungen, die abwartend
neugierig teilnahmen
- Die kleinere Gruppe wirklich Betroffener, die sofort aufgrund ihrer
physischen und /oder psychischen und sozialen Merkmale (mangelnder
Blickkontakt, Kopf-, Schulter-, Fußhaltung, Absonderung aus der Gruppe
usw.) auffielen.
Eine neue Erfahrung für uns war, daß rein körperliche "Besonderheiten"
offensichtlich keine Rolle für ein Opferverhalten spielen. Die eher
starken Charaktere haben es nur besser geschafft, mit diesen umzugehen
(mehr oder weniger starke Ausprägung von Adipositas, Brille,
Zahnfehlstellungen, Hautfarbe, usw.). Und, im Gegensatz zu unserer
tagtäglichen Erfahrung aus dem (Berufs-)Leben, spielen Sprachbarrieren
unter Kindern keine Rolle, alle kamen diesbezüglich miteinander aus.
Natürlich kann man in einer Schuldoppelstunde keine Wunder bewirken,
aber bereits erste Rollenspiele wie z.B. "Haifisch und Boot" führen zu
(zwangsläufiger) Solidarisation der Gruppe, unabhängig von
vermeintlichen oder tatsächlichen Unterschieden und Diskriminierungen
innerhalb derselben.
Rollenspiele, "Stop"-, "Nein"-, "Halt"-Sagen (-Lernen!) ergänzen die
Gemeinschaftsspiele und fördern durch die gezielte Auswahl der
jeweiligen Kinder durch den Lehrer/Trainer das einzelne Kind.
Karate? Nein, Karate gab es an diesem Samstag nicht zu sehen oder zu
erlernen, aber das positive Beispiel des humanistischen Grundideals
vom "mens sana in corpore sano" (Ein gesunder Geist in einem gesundem
Körper) kann man wirksam vermitteln und dadurch Karate-Do
demonstrieren. Und: Unabhängig von meinen körperlichen Gegebenheiten
kann ich mit gesundem, besser: starkem Geist gegen körperlich Stärkere
bestehen.
Einig waren wir uns in der Schlußbesprechung mit Lehrern und
Schulleiterin, daß wir möglichst schnell und regelmäßig dieses
Gewaltpräventionstraining in der Schule anbieten sollten, z.B. im
Rahmen sogn. "Projekttage". Zuletzt, um die Schulleiterin zu zitieren,
sei es schade, daß solch "tolle Programme" nur durch Stiftungen oder
private Initiativen zustande kämen, da die Schule alleine dies
finanziell nicht tragen könne.
Christian Gembe
Kampfkunstschule Budokan, Trad. Karate München
B-Trainer Gewaltprävention im DOSB
www.kampfkunstschule-budokan.de |




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