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Ein Bezirk – ein Kader - Ein Team
Oberbayern beeindruckt in Slowenien
(Juni 2006)
 
Autorin: Eveline Ruhland
 
Postojna/Slowenien – Es war einer dieser schönen Momente, bei denen man merkt, dass die viele Arbeit, die man in Menschen steckt, auch Früchte trägt. Savas Gönenler und Michael Schölz, Bezirkstrainer des Bezirks Oberbayern des Bayerischen Karate Bundes konnten bei den offenen Slowenischen Meisterschaften in Postojna dieses Gefühl genießen – es klappte nicht nur in sportlicher und organisatorischer Weise alles nahezu perfekt – auch das Team zeigte viel Einsatz und Geschlossenheit. Mit drei Goldmedaillen, zwei Silber und drei Bronzemedaillen in den Einzel- und Teamwettbewerben konnten sich die 11 Athleten auch über ein überdurchschnittlich gutes Abschneiden freuen – beeindruckt haben sie durch ihre Fairness und den Teamgeist, der vom Ausrichter sogar lobend erwähnt wurde.
 
Mit knapp 600 Athleten in 850 Starts gehört das jährlich in Postojna stattfindende Turnier zu den größeren internationalen Veranstaltungen, die von starken Karate-Nationen wie England, Italien, Frankreich und den Balkanstaaten diesen Jahr besucht wurde, für letztere war dies das Ausscheidungsturnier für die kommenden Balkanmeisterschaften der Länder des ehemaligen Jugoslawien und angrenzende Nationen. Das Niveau war entsprechend hoch, aber auch die Motivation der Athleten, was sich in den Kämpfen manchmal durch etwas übertriebene Härte bemerkbar machte. Im Wesentlichen blieben die Begegnungen aber fair und wurden für die Oberbayern ein schönes Erlebnis.
 
Den Anfang machten die Kata-Athleten, die vor allem von den oberbayerischen Herren dominiert wurden. Florian Hirt (Grasbrunn) und Linh Schotte (Grasbrunn) waren für die Leistungsklasse nominiert worden. Hirt schied in der ersten Runde gegen einen slowenischen Nationalkaderathleten aus. Dieser wurde dann von Schotte geschlagen, so dass Hirt leider der Weg in die Trostrunde versperrt blieb, die ihm aufgrund seiner starken Kata sicherlich gebührt hätte. Schotte machte diese Enttäuschung jedoch durch ausgezeichnete Leistungen wieder wett – er holte sich die erste Goldmedaille nach klasse Vorrundenleistungen in einem spannenden Finale. Dies ist der bislang größte internationale Erfolg der Neunzehnjährigen, der sicherlich noch von sich Reden lassen wird.
 
Teamchef Michael Schölz (Grasbrunn) startete in der Klasse Kata Einzel Ü30. Mit 25 Teilnehmern bei den Herren war diese Klasse überdurchschnittlich gut belegt. Trotzdem kämpfte er sich souverän ins Finale vor, dort gewann er ungefährdet und stockte die oberbayerische Bilanz um eine weitere Goldmedaille auf.
 
Mit solchen Ergebnissen konfrontiert zeigten sich die Kumiteathleten der oberbayerischen Auswahl hochmotiviert. Die Damen machten den Anfang. Und hier schlugen sie ebenfalls in beeindruckender Weise zu. Nadine Horter (München) kämpfte geradezu entfesselt und ließ ihren Gegnerinnen keine Chance. Mit zum Teil spektakulären Punkten holte sich die junge Oberbayerin Sieg um Sieg, um dann ihrem Kadertrainer Savas Gönenler letztendlich eine Goldmedaille präsentieren zu können. Ihr Kampfstil beeindruckte nicht nur ihre Gegnerinnen – auch die Kampfrichter lobten ihre harten, aber fairen Kämpfe, die – so ein Kampfrichter – Spaß machten zu schiedsen.
 
Ganz für Gold reichte es bei Sylvia Senoner (Trostberg) nicht. Die junge Nachwuchsathletin hatte ausgezeichnete und erfahrene Gegnerinnen im Schwergewicht der weiblichen Jugend. Durch harte Treffer in den Vorrunden mitgenommen zeigte sie jedoch Durchhaltevermögen und Haltung und durfte nach einem knappen Finale die Silbermedaille in Empfang nehmen.
 
Doch das war nicht das einzige Edelmetall für die beiden Damen. Zusammen mit einer souverän kämpfenden Jasmin Bergmoser (Ingolstadt) kämpften sich die Oberbayerinnen in der Disziplin Kumite Mannschaft überraschend bis ins Finale vor. Dort erwarteten sie die italienische Auswahl von Golden League Italia., die schon zu Beginn des Turniers als Favoriten galten. Doch diesem Status wurden die Südländerinnen nicht gerecht – sehr knapp und mit viel Glück gewannen sie gegen das oberbayerische Team, dass sich als fairer Verlierer zeigte und die dritte Silbermedaille wie Gold feierte.
 
Die Herren waren durch lange Wartezeiten etwas in Mitleidenschaft gezogen worden. Dennoch bewiesen sie Moral. Andreas Gaede (Münchsmünster) und Robin Saberi (Trostberg) erkämpften sich jeweils eine Bronzemedaille, die auch Silber oder Goldmedaillen hätten sein können. Beide zeigten engagierte und technisch hervorragende Leistungen, jedoch fehlte in einigen Kämpfen das notwendige Quäntchen Glück. Doch dürfen die beiden Athleten zufrieden sein – umso mehr, als dass sie zusammen mit Hans Hawe (Trostberg) und Daniel Blagaic (München) eine weitere Bronzemedaille in der Disziplin Kumite Mannschaft holten. Sie verloren im kleinen Finale wie die Damen gegen die italienische Auswahl von Golden League Italia. Hawe und Blagaic konnten sich noch über beachtenswerte fünfte Plätze in ihren Gewichtsklassen freuen.
 
Für einen vergleichsweise kleinen Bezirkskader war dieses Turnier eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich auf mittlerem bis hohem Niveau international zu messen. Gönenler und Schölz können als Bezirkstrainer hier auf ein durch und durch hochmotiviertes und junges Team zurückgreifen. Neue Erfahrungen wurden gemacht, Fehler und Probleme aufgedeckt – aber auch viele motivierende Erfolge eingefahren und das Wochenende für neue Bekanntschaften und auch ein bisschen teambildendes Sightseeing genutzt. Es war also aus oberbayerischer Sicht ein runder Event – der nächstes Jahr sicherlich wiederholt wird.