Postojna/Slowenien – Es war einer dieser schönen Momente, bei denen man
merkt, dass die viele Arbeit, die man in Menschen steckt, auch Früchte
trägt. Savas Gönenler und Michael Schölz, Bezirkstrainer des Bezirks
Oberbayern des Bayerischen Karate Bundes konnten bei den offenen
Slowenischen Meisterschaften in Postojna dieses Gefühl genießen – es
klappte nicht nur in sportlicher und organisatorischer Weise alles nahezu
perfekt – auch das Team zeigte viel Einsatz und Geschlossenheit. Mit drei
Goldmedaillen, zwei Silber und drei Bronzemedaillen in den Einzel- und
Teamwettbewerben konnten sich die 11 Athleten auch über ein
überdurchschnittlich gutes Abschneiden freuen – beeindruckt haben sie
durch ihre Fairness und den Teamgeist, der vom Ausrichter sogar lobend
erwähnt wurde.
Mit knapp 600 Athleten in 850 Starts gehört das jährlich in Postojna
stattfindende Turnier zu den größeren internationalen Veranstaltungen, die
von starken Karate-Nationen wie England, Italien, Frankreich und den
Balkanstaaten diesen Jahr besucht wurde, für letztere war dies das
Ausscheidungsturnier für die kommenden Balkanmeisterschaften der Länder
des ehemaligen Jugoslawien und angrenzende Nationen. Das Niveau war
entsprechend hoch, aber auch die Motivation der Athleten, was sich in den
Kämpfen manchmal durch etwas übertriebene Härte bemerkbar machte. Im
Wesentlichen blieben die Begegnungen aber fair und wurden für die
Oberbayern ein schönes Erlebnis.
Den Anfang machten die Kata-Athleten, die vor allem von den
oberbayerischen Herren dominiert wurden. Florian Hirt (Grasbrunn) und Linh
Schotte (Grasbrunn) waren für die Leistungsklasse nominiert worden. Hirt
schied in der ersten Runde gegen einen slowenischen Nationalkaderathleten
aus. Dieser wurde dann von Schotte geschlagen, so dass Hirt leider der Weg
in die Trostrunde versperrt blieb, die ihm aufgrund seiner starken Kata
sicherlich gebührt hätte. Schotte machte diese Enttäuschung jedoch durch
ausgezeichnete Leistungen wieder wett – er holte sich die erste
Goldmedaille nach klasse Vorrundenleistungen in einem spannenden Finale.
Dies ist der bislang größte internationale Erfolg der Neunzehnjährigen,
der sicherlich noch von sich Reden lassen wird.
Teamchef Michael Schölz (Grasbrunn) startete in der Klasse Kata Einzel
Ü30. Mit 25 Teilnehmern bei den Herren war diese Klasse
überdurchschnittlich gut belegt. Trotzdem kämpfte er sich souverän ins
Finale vor, dort gewann er ungefährdet und stockte die oberbayerische
Bilanz um eine weitere Goldmedaille auf.
Mit solchen Ergebnissen konfrontiert zeigten sich die Kumiteathleten der
oberbayerischen Auswahl hochmotiviert. Die Damen machten den Anfang. Und
hier schlugen sie ebenfalls in beeindruckender Weise zu. Nadine Horter
(München) kämpfte geradezu entfesselt und ließ ihren Gegnerinnen keine
Chance. Mit zum Teil spektakulären Punkten holte sich die junge
Oberbayerin Sieg um Sieg, um dann ihrem Kadertrainer Savas Gönenler
letztendlich eine Goldmedaille präsentieren zu können. Ihr Kampfstil
beeindruckte nicht nur ihre Gegnerinnen – auch die Kampfrichter lobten
ihre harten, aber fairen Kämpfe, die – so ein Kampfrichter – Spaß machten
zu schiedsen.
Ganz für Gold reichte es bei Sylvia Senoner (Trostberg) nicht. Die junge
Nachwuchsathletin hatte ausgezeichnete und erfahrene Gegnerinnen im
Schwergewicht der weiblichen Jugend. Durch harte Treffer in den Vorrunden
mitgenommen zeigte sie jedoch Durchhaltevermögen und Haltung und durfte
nach einem knappen Finale die Silbermedaille in Empfang nehmen.
Doch das war nicht das einzige Edelmetall für die beiden Damen. Zusammen
mit einer souverän kämpfenden Jasmin Bergmoser (Ingolstadt) kämpften sich
die Oberbayerinnen in der Disziplin Kumite Mannschaft überraschend bis ins
Finale vor. Dort erwarteten sie die italienische Auswahl von Golden League
Italia., die schon zu Beginn des Turniers als Favoriten galten. Doch
diesem Status wurden die Südländerinnen nicht gerecht – sehr knapp und mit
viel Glück gewannen sie gegen das oberbayerische Team, dass sich als
fairer Verlierer zeigte und die dritte Silbermedaille wie Gold feierte.
Die Herren waren durch lange Wartezeiten etwas in Mitleidenschaft gezogen
worden. Dennoch bewiesen sie Moral. Andreas Gaede (Münchsmünster) und
Robin Saberi (Trostberg) erkämpften sich jeweils eine Bronzemedaille, die
auch Silber oder Goldmedaillen hätten sein können. Beide zeigten
engagierte und technisch hervorragende Leistungen, jedoch fehlte in
einigen Kämpfen das notwendige Quäntchen Glück. Doch dürfen die beiden
Athleten zufrieden sein – umso mehr, als dass sie zusammen mit Hans Hawe
(Trostberg) und Daniel Blagaic (München) eine weitere Bronzemedaille in
der Disziplin Kumite Mannschaft holten. Sie verloren im kleinen Finale wie
die Damen gegen die italienische Auswahl von Golden League Italia. Hawe
und Blagaic konnten sich noch über beachtenswerte fünfte Plätze in ihren
Gewichtsklassen freuen.
Für einen
vergleichsweise kleinen Bezirkskader war dieses Turnier eine
ausgezeichnete Möglichkeit, sich auf mittlerem bis hohem Niveau
international zu messen. Gönenler und Schölz können als Bezirkstrainer
hier auf ein durch und durch hochmotiviertes und junges Team
zurückgreifen. Neue Erfahrungen wurden gemacht, Fehler und Probleme
aufgedeckt – aber auch viele motivierende Erfolge eingefahren und das
Wochenende für neue Bekanntschaften und auch ein bisschen teambildendes
Sightseeing genutzt. Es war also aus oberbayerischer Sicht ein runder
Event – der nächstes Jahr sicherlich wiederholt wird. |