| Zuerst
ein paar Worte zu meiner Person, denn nur die allerwenigsten werden mich
kennen. Ich heiße Elena Zapasnaia und bin 20 Jahre alt. Ich habe im Mai
diesen Jahres mein Abi gemacht und werde ab November
Politikwissenschaften in München studieren. Ich habe 1996 mit Wado-Ryu
begonnen und trainiere jetzt Shito-Ryu.
Es
ist Samstag der 9. Oktober 2004. Heute findet der Jubiläumslehrgang
“20 Jahre Bezirk Oberbayern” statt. Der Bezirk Oberbayern ist sowohl
der mitgliederstärkste als auch der aktivste Verein Bayerns.
Auf
dem Weg nach Eching, wo ja der Lehrgang stattgefunden hat, hatte
ich ein leichtes Gefühl der Verunsicherung. Schließlich bin ich
jetzt die neue Medienreferentin und das ist die erste Veranstaltung von
der ich berichten soll. Dieser Samstag war ziemlich verregnet und
unangenehm kühl. Werden bei so einem Wetter viele Teilnehmer kommen?
Wenn ja, schaff ich es den Überblick zu behalten? Werden mehr
Erwachsene als Kinder und
Jugendliche da sein? Ist dieser Lehrgang auch für die Unterstufe
interessant? Solche oder ähnliche Fragen haben mich auf dem Weg zum
Lehrgang beschäftigt. Na ja schließlich kam ich zu dem Ergebnis, dass
ich das alles ganz relaxt sehen werde und versuchen werde
das Beste daraus zu machen.
In
Eching angekommen war ich sehr positiv überrascht, dass doch schon
einige Teilnehmer vor Ort waren. Erwachsene, sowie Kinder und
Jugendliche. Ein sehr großes Kompliment an dieser Stelle an alle, die
es geschafft haben, am Wochenende so früh aufzustehen und
um an diesem Jubiläumslehrgang teilzunehmen. Um 9 Uhr fing der
Lehrgang offiziell an. So wurde die Zeit bis 9 Uhr sinnvoll genutzt und
die Formalitäten erledigt:
die Karatepässe abgegeben, die Lehrgangsgebühren bezahlt und natürlich
alten Bekannten zur Begrüßung ganz viele Hände geschüttelt. Die
Aufteilung in Ober-und Unterstufe war ganz einfach, nach rechts ging`s
zur Unterstufe (Gelb-bis Violett/Blaugurt) und nach links zur Oberstufe
(ab Blau-bis Schwarzgurt). Sehr rasch hat sich Mann und Frau umgezogen
und sich in die jeweilige Halle begeben.
Schließlich
standen alle in einer Reihe, und bei der Oberstufe waren es, um genau zu
sein, 2 Reihen und warteten gespannt auf den “Startschuss”.

Nein,
geschossen wurde nicht, stattdessen gab es eine ordentliche Begrüßung
ein paar einleitende und motivierende Sätze von Fritz Oblinger an die
Teilnehmer. Schön war es zu sehen, dass in der Unterstufe viele Kinder
anwesend waren, die mit großen Augen und voller Spannung den weiteren
Verlauf abwarteten. Bemerkenswert war auch die Disziplin, die die
Kleinen zeigten, kein “Rumhampeln”, kein “Rumblödeln” statt
dessen ein tadelloses Benehmen. Still in der Reihe stehen und aufmerksam
den Anweisungen des Senseis folgen, so wie sich das viele Trainer in
ihrem Dojo wünschen würden.
Nach
der Begrüßung ging man in beiden Gruppen zum Aufwärmtraining über,
bevor es dann richtig zur Sache ging.
Die
Unterstufe fing ganz langsam mit den Grundtechniken an. Fritz Oblinger
beobachtete die Gruppe mit Argusaugen und wies die Teilnehmer sogleich
auf ihre Fehler hin. Ganz typische Anfängerfehler, z. B. bei der Ausführung
der Tsukis der fehlende Hüfteinsatz, oder das verfrühte Drehen der
Faust erklärte er ganz ausführlich und betonte immer wieder, dass nur
die richtig ausgeführten Techniken, auch im Notfall
wirklich wirkungsvoll sind. Wenig später gingen die Teilnehmer
paarweise zusammen und übten diese Technik in Form von Kiho-Kumite.
Alle waren hochmotiviert und selbst die jüngeren Teilnehmer gaben sich
offensichtlich die größte Mühe zu zeigen, dass sie es mit dem
Training ernst meinten. Im Anschluß an diese Übung bat Fritz Oblinger
einen Weißgurt zu sich und zeigte an diesem, wie man sich im Notfall
richtig auf der Straße wehrt. Dem Weißgurt ist natürlich nichts
passiert, dennoch waren viele sehr erleichtert und froh, dass nicht sie
vorne standen. Um sich schnell und effektiv zu wehren müssen vor allem
die Tsukis schnell, überraschend und präzise ausgeführt werden. So
hat man als nächstes versucht die Geschwindigkeit und die Präzision
der Tsukis zu steigern, indem diese nicht mehr aus dem Stand, sondern
aus der Bewegung ausgeführt werden mußten. Am Ende der Stunde waren
zwar manche schon ziemlich aus der Puste gekommen, aber dennoch von sich
selbst überrascht wieviel Potential in ihnen steckt.
Parallel
zur Unterstufe hat die Oberstufe nach dem Aufwärmtraining unter der
Leitung von Savas Gönenler angefangen, in Form von Partnerübungen die
richtige Beinarbeit im Kumite zu trainieren. Angefangen hat man mit
Mawaschi-Geri und Ura-Mawaschi-Geri aus dem Stand, später wurden die
gleichen Übungen aber diesmal aus der Bewegung heraus gemacht. Der
Schwierigkeitsgrad stieg mit der Zeit, so dass die Teilnehmer am Ende so
schnell und so überraschend wie möglich sowohl Mawaschi-Geri als auch
Ura-Mawaschi-Geri hintereinander ausführen mußten. Außerdem
demonstrierte Savas die richtige Bewegungsform im Kumite. Und diese
schaut nicht so aus, dass man an den Gegner “herangeht” und ihn
“angreift”, in der Hoffnung dass dieser sich in die Hosen macht und
zurückweicht , nein, hier geht es um eine präzise und schnelle
Beinarbeit. Je schneller und koordinierter man sich bewegt, desto mehr
hat der Gegner Schwierigkeiten einen zu treffen.
So wurde in der noch verbleibenden Zeit die richtige
Bewegungsform und die schnelle Beinarbeit intensiv geübt. Auch an
dieser Stelle wurde der Hüfteinsatz bei der Bewegung nach vorne betont,
und da glaubte ich bei einem oder anderen Schwarzgurt einen Ausdruck der
Verunsicherung diesbezüglich zu erkennen. Äh, ja den Hüfteinsatz bloß
nicht vergessen... Dabei kamen sowohl Jung als auch Alt nicht nur
richtig in Bewegung sondern auch ordentlich ins Schwitzen.

Um
kurz vor halb elf kam dann der Landestrainer in Kata Michael Schölz zur
Oberstufe. Nach einer kurzen Verschnaufpause übernahm er mit ein paar
Begrüßungsworten die Leitung der Gruppe.
Schließlich
begann er die Gruppe in die tiefen Geheimnisse der Kata einzuweihen. Und
plötzlich wurde alles theoretischer. Michael erklärte die Elemente in
den Katas, die diese so beeinflußen und sie so einzigartig machen. Auf
jeden Fall ist bei der Ausführung der Kata besonders wichtig, sowohl
ein Verständnis als auch ein Gefühl für die Techniken zu entwickeln,
denn nur so verleiht man jeder Kata den für sie so einzigartigen
Ausdruck. Viele waren jedoch überrascht, als sie hörten, dass viele
Elemente aus der Natur sich in den Katas widerspiegeln, so z.B. das
Element Wasser ( dieses Hineingleiten) in Heian-Sandan, oder das Element
der Erde ( fest auf dem Boden stehen ) in Bassai Dai. Das Element Luft
oder auch Wind ist überall zu finden, denn es symbolisiert die richtige
Atmung, sowie die damit verbundene Körperbeherrschung. Ebenso wie diese
Elemente beeinflußen auch die Tiere die Katas ungemein. So symbolisiert
die Kata Nipaipo den typischen Kranich-Stil und die Bassai Dai wird dem
Tiger-Stil zugeordnet, mit ihren sowohl schnellen und harten als auch
stellenweise geschmeidigen Bewegungen. Jedoch zeigt ihre Ursprungsform
Patsai deutliche Einflüsse des Kranich-Stil.
Aber nicht nur auf die Katas haben die Elemente und Tiere einen
sehr großen Einfluss, sondern auch auf ganze Kampfkunstrichtungen. So
ist Karate mit dem Feuer vergleichbar, Aikido mit dem Wasser und Sumo
mit der Erde. Alle 5 Elemente findet man in den Katas.
Im
Folgenden will ich aber nur speziell auf das Element Erde in der Bassai
Dai des Shotokan eingehen. Diese Kata zeichnet sich durch besonders
festen Stand und der somit starken Verbundenheit mit der Erde aus. Diese
Erkenntnis versuchen jetzt die Teilnehmer in die “Tat” umzusetzen.
Auf Anweisung von Michael Schölz versuchen die Teilnehmer bewußt bei
jeder Bewegung den richtigen Kontakt mit dem Boden zu finden und ihre
Kraft und Energie nach unten in den Boden zu leiten, um die richtige
Standfestigkeit zu erreichen. Als nächstes müssen die Teilnehmer die Hände
nach vorne strecken und auch hier darf die Kraft nicht nach vorne
gerichtet werden, sondern muß nach unten geleitet werden. Dieser feste
Stand ist keine Frage der Gewichtsverlagerung sondern das Ergebnis der
Kommunikation mit der Umwelt. Hier kommt es darauf an, erklärt Michael
Schölz weiter, dass man sich die Frage stellt, wie bekomme ich Kraft
und wie gehe ich damit um? Vor
allem aber, wie setze ich diese Kraft richtig ein, damit selbst eine
leichte und weiche Bewegung in eine schnelle harte Technik umgewandelt
werden kann. Damit diese theoretischen Fragen auch in der Praxis
beantwortet werden können, wird eine Übung zur “Kraftfindung”
gemacht. Dabei bewegt sich der eine Partner im Zenkutsu-Datchi mit
Oi-Tsuki nach vorne und der andere probiert, ob diese auch stabil steht,
ohne zu wackeln und ohne umzufallen. Und während sich die Oberstufe auf
die Suche nach der Kraft begeben hat, habe ich noch schnell vor der
Mittagspause bei der Unterstufe vorbeigeschaut.
Hier
kam in der Zwischenzeit viel Bewegung rein, die korrekte Bewegungsform
im Kumite wurde hier intensiv trainiert. Doch auch die einzelnen
Bewegungen aus den Katas, wie z.B. Heian-Nidan und Heian-Yondan wurden
keinesfalls vernachlässigt. So wurden in Form von Partnerübungen die
verschiedenen Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten geübt. An
dieser Stelle möchte ich auch die Wichtigkeit solcher Übungen nochmals
betonen. Denn viele, vor allem die Kinder wissen bzw. können sich nicht
vorstellen, was die einzelnen Bewegungen in der Kata bedeuten, oder wozu
diese gut sein sollen. Dies führt wiederum dazu, dass die Kata nach dem
“irgendwie-so-wird-das-schon-stimmen” Prinzip gemacht wird, und das
ist, da wird mir wohl jeder zustimmen, nicht Sinn und Zweck des
Trainings.
So,
jetzt endlich kam die lang ersehnte Mittagspause. Von vielen wurde sie
genutzt um neue Kontakte zu knüpfen, von vielen aber auch um alte
Kontakte zu pflegen. Es haben sich auch viele Grüppchen gebildet, die
das Gelernte und Geübte nochmals in einem Gespräch vertieften. Im Großen
und Ganzen hatte der Lehrgang bis jetzt allen sehr gut gefallen, so dass
alle noch genug Motivation und Power hatten um auch am Nachmittag noch
fleißig mitzumachen.
Der
Nachmittag gestaltete sich im Prinzip genau so wie der Vormittag auch.
Die Gruppen wechselten zwischen dem Katatraining, das auch musikalisch
begleitet wurde, und dem Kumitetraining ab. Man konnte jetzt vor allem
im Kumite neue Sachen ausprobieren, das Gelernte nochmals vertiefen oder
intensiv an den individuellen Schwächen arbeiten.
Nicht
zu vergessen sind folgende Personen, die für ihre Funktionen im Bezirk
der letzten 20 Jahren geehrt wurden:

Peter
Landgraf
Bezirksvorsitzender 1987-2001,
Kassierer 1985-1987
Kassenprüfer 2001
Susanne
Landgraf
Jugendwartin 1987-1992
Robert
Wahl
Kassierer 1987-2003
Kassenprüfer 2003
Irmgard
Borgs
Jugendwartin 1993-2001
Stefan
Borgs
Vorstandsvorsitzender 2001-2002
Manfred
Gilhuber
Kassenprüfer 1985-1987
Ursula
Schölz
Kassenprüferin 1991-1997
Jens
Mühl
Webmaster 2001-2004
Hey,
Leute besten Dank und Anerkennung für Eure Dienste, super, dass Ihr mit
gutem Beispiel vorangegangen seid !!!!!
Nicht
zu vergessen sind auch die, die leider nicht mehr unter uns weilen, da
laßt uns an die denken, die diesen Lehrgang vielleicht aus einer
anderen Perspektive verfolgt haben:
Andreas
Schölz
Bezirksvorsitzender 1983-1987
Medienreferent 1983-1989
W.
Ullrich
Stellvertr. Bezirksvorsitzender 1983-1984
Geza
Abraham
Stellvertr. Bezirksvorsitzender 1987-2001
Sportwart 1987
So,
mit diesen Ehrungen, die um ca. 11 Uhr stattgefunden haben, möchte ich
auch meinen Bericht abschließen. Ich hoffe es hat euch mehr oder
weniger gefallen. Ich bitte über diese oder jene kleine Fehler
hinwegzusehen und eure Meinung zu diesem Bericht abzugeben. Was war gut,
was weniger gut? Was soll in Zukunft vermieden werden, was beibehalten?
Für
Lob, Tadel und Kritik stehe ich euch jederzeit zur Verfügung, in diesem
Sinne macht`s gut Leute und bis bald eure Elena
p.s.
Herzliche Glückwunsch, an alle, die die Prüfung zum nächsthöheren
Kyu-Grad bestanden haben, vielen Dank auch an die über 130 Teilnehmer,
die diesen Jubiläumslehrgang durch ihr Interesse an Karate und ihre
Teilnahme möglich gemacht haben, ebenso ein großes Vielen Dank an die
Veranstalter, die diese Veranstaltung so gut
und mit sichtbarem Erfolg organisiert haben.
Autor: Elena Zapasnaia
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